Eine Leinwand der Erfahrungen: Meine Erasmus-Reise in Dresden
Ein Sprung ins Ungewisse: Der deutsche Expressionismus
Als ausländischer Student in Frankreich war die Teilnahme am Erasmus-Programm für mich nicht verpflichtend. Dennoch trieben mich meine Neugier und die Inspiration, die ich von meinem Lehrer Rainer Oldendorf an der ISBA erhalten hatte, dazu an, diese Möglichkeit zu erkunden. Ein kompakterer Bericht über dieselbe Erasmus-Erfahrung ist auch in Mein Erasmus in Deutschland verfügbar. Mit tiefer Bewunderung für den deutschen Expressionismus entschied ich mich, mich an der Hochschule für Bildende Künste Dresden (HfBK) zu bewerben. Die reiche Geschichte der Akademie, verbunden mit den bezaubernden Bildern Dresdens, die ich online fand, festigten meine Entscheidung. Von Oktober 2020 bis März 2021 begab ich mich auf eine sechsmonatige Reise, die zu einer der freudigsten und prägendsten Phasen meines Lebens werden sollte.
Die Herausforderungen einer Pandemie meistern
Nach meiner Ankunft arbeitete ich unter der Anleitung des Bildhauers Carl Emanuel Wolff und tauchte in theoretische Kurse über die Romantik und den deutschen Expressionismus ein. Die Druckgrafiktechniken, die ich dort entdeckte, werden in der Kunst der Radierung und dem Einstieg in den Linolschnitt näher beleuchtet. Diese Zeit war geprägt von den Herausforderungen der COVID-19-Pandemie, die zur Absage vieler Kurse und Ausstellungen führte. Trotz dieser Rückschläge fand ich Trost und Zusammenhalt bei den internationalen Studierenden in meiner Unterkunft, wo wir Erfahrungen teilten und lebenslange Freundschaften schlossen.
Eine Stadt voller Inspiration
Dresden, mit seiner atemberaubenden Architektur und seinem reichen kulturellen Erbe, bot mir unerschöpfliche Inspiration. Ich besuchte zahlreiche Museen und Schlösser und tauchte in die Werke deutscher Meister ein – besonders in die faszinierenden Landschaften von Caspar David Friedrich. Die Stadt selbst fühlte sich wie ein Freilichtmuseum an, eine perfekte Verbindung aus Geschichte und Kunst.



Begegnung mit lokalen Künstlern: Hanif Lehmann und Christine Wahl
Einer der unvergesslichsten Aspekte meiner Zeit in Dresden war die Begegnung mit den lokalen Künstlern Hanif Lehmann und Christine Wahl. Hanif spielte dabei eine besonders bedeutende Rolle in meiner künstlerischen Entwicklung. 1971 in Rochlitz, Sachsen, geboren, studierte Hanif Malerei und Grafik an der HfBK Dresden bei renommierten Künstlern wie Siegfried Klotz und Claus Weidensdorfer. Seit 1998 ist er als freischaffender Künstler tätig und betreibt seine eigene Druckwerkstatt, die Widukind-Presse Dresden.
Ein Atelier voller Wärme und Kreativität
Hanifs herzliche Gastfreundschaft ließ mich trotz der Sprachbarriere heimisch fühlen. Er lud mich oft in sein Atelier ein, wo wir gemeinsam heißen Kaffee tranken und er mich in Druckgrafik- und Typografietechniken einführte. Ich hatte zuvor noch nie Radierung ausprobiert, doch Hanifs Ermutigung und Fachkenntnis eröffneten mir eine neue Welt. Sein Atelier war während der Pandemie ein Zufluchtsort – ein Ort, an dem Kreativität gedieh, obwohl die Stadt weitgehend geschlossen war.
Hanifs künstlerische Welt erkunden
Hanifs Werk zeichnet sich durch seinen einzigartigen Stil aus, der sich häufig auf Stillleben, Bahnhöfe und soziale Themen konzentriert. Er hat außerdem zahlreiche Porträts von Menschen aus aller Welt geschaffen. Seine Teilnahme an Buchmessen und Residenzprogrammen rund um den Globus hat seine künstlerische Perspektive bereichert. Die 36. Leipziger Grafikbörse, an der über 100 Künstler teilnehmen und das Thema „hortus secretus" erkunden, unterstreicht Hanifs Engagement für die Kunst der Druckgrafik. Seine Beiträge zur Messe, gemeinsam mit anderen Künstlern aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, zeigen eine vielfältige Bandbreite an Interpretationen – von konkreten Gartenszenen bis hin zu fantastischen Schöpfungen.



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Der Wert von Freundschaft und Mentorschaft
Trotz der Herausforderungen der Pandemie war meine Zeit in Dresden von unschätzbarem Wert. Hanifs Großzügigkeit ging über die Kunst hinaus; er wurde ein Freund und Mentor. Sein fließendes Englisch und sein ausgeprägtes Interesse an Musik und Geschichte machten unsere Gespräche aufschlussreich und angenehm. Die Möglichkeit, mit ihm zu arbeiten – insbesondere in seiner Druckwerkstatt – war ein Höhepunkt meiner Erasmus-Erfahrung. Wir erkundeten verschiedene Druckgrafiktechniken und experimentierten mit gemischten Formen, übten sogar Buchbinden, wenn keine Akademiekurse verfügbar waren.






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Eine Reise der kulturellen Eintauchung
Diese Erfahrung in Dresden war mehr als ein akademischer Austausch; sie war eine tiefgreifende kulturelle Begegnung. Ich entdeckte die Feinheiten des deutschen Expressionismus und der Romantik, erlernte neue künstlerische Techniken und knüpfte vor allem dauerhafte Verbindungen zu Menschen, die meinen Weg bereicherten. Die Freundschaften, die ich schloss, die Kunst, die ich erkundete, und die Herausforderungen, die ich meisterte, machten dieses Erasmus-Abenteuer unvergesslich. Es erinnerte mich an die Schönheit, die eigene Komfortzone zu verlassen, und an die Freude, neue Erfahrungen zu umarmen.



